Imkereiverwaltung mit Stockkarten, Ernten, Lagerverwaltung, Bestandeskontrolle, Behandlungsjournal, iPhone und Android Apps

zurück zur Übersicht

Marcel Gläser | 22. April 2026

Neue Studie: Honigbienen navigieren zentimetergenau – präziser als der Schwänzeltanz

Ein Forschungsteam der Universität Freiburg hat Honigbienen im Flug mit Drohnen verfolgt. Das überraschende Ergebnis: Jede Biene hat ihre eigene Route – und trifft sie immer wieder auf Zentimeter genau.

Bienen navigieren zentimetergenau – Drohnen-Tracking-Studie

Dass Honigbienen erstaunliche Navigationsleistungen vollbringen, ist bekannt. Doch wie genau eine einzelne Biene ihren Weg zwischen Stock und Futterquelle findet, ließ sich bisher kaum im Freiland messen. Ein Team der Universität Freiburg um Prof. Andrew Straw hat das nun geschafft – mit einer ungewöhnlichen Methode.

Bienen-Tracking per Drohne

Die Forschenden befestigten winzige reflektierende Marker an einzelnen Sammelbienen. Eine Drohne mit Kamera und Bildverarbeitung verfolgte die Tiere dann automatisch im Flug und zeichnete hochauflösende 3D-Flugbahnen in natürlicher Umgebung auf. Insgesamt werteten sie 255 Flugwege zwischen dem Bienenstock und einer rund 120 Meter entfernten Futterquelle aus.

Jede Biene fliegt ihre eigene Route

Das zentrale Ergebnis: Jede Biene entwickelt eine ganz individuelle Flugroute – und wiederholt sie über mehrere Flüge hinweg mit verblüffender Präzision. Oft lagen aufeinanderfolgende Flüge nur wenige Zentimeter auseinander, und zwar sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg.

Wie genau die Bienen flogen, hing dabei von der Landschaft ab. Nahe auffälligen Landmarken – etwa einem einzelnen Baum – waren die Abweichungen am kleinsten. Über eintönigen Flächen wie einem Maisfeld, wo Orientierungspunkte fehlen, streuten die Routen dagegen stärker. Das spricht dafür, dass sich die Tiere gezielt an markanten Punkten in der Landschaft ausrichten.

Genauer als der Schwänzeltanz

Besonders spannend ist der Vergleich mit der berühmten Bienensprache. Über den Schwänzeltanz teilen Sammlerinnen ihren Stockgenossinnen die Richtung zu einer Futterquelle mit – allerdings nur relativ grob, mit einem Richtungsfehler von rund 30 Grad. Die tatsächliche Flugpräzision der einzelnen Biene übertrifft diese Genauigkeit also deutlich. Der Tanz liefert offenbar die grobe Richtung, den fein abgestimmten Weg lernt jede Biene individuell.

Was das für uns Imker bedeutet

Für die tägliche Imkerpraxis hat die Studie keine unmittelbaren Folgen – aber sie zeigt einmal mehr, wie leistungsfähig das Orientierungsvermögen unserer Bienen ist. Sie erklärt auch, warum ein Standortwechsel Sammelbienen so durcheinanderbringt: Wird ein Volk nur wenige Meter versetzt, kehren die erfahrenen Flugbienen zunächst an die alte, exakt eingeprägte Stelle zurück. Die Erkenntnis erinnert daran, mit welcher Feinabstimmung ein Bienenvolk seine Umgebung nutzt.

Quelle

Stentiford, R., Straw, A. D. et al. (2026). Precise, individualized foraging flights in honeybees revealed by multicopter drone-based tracking. Current Biology. DOI: 10.1016/j.cub.2026.01.045. Universität Freiburg.

Häufige Fragen

Wie genau fliegen Honigbienen ihre Route?

Laut der Freiburger Studie wiederholen einzelne Bienen ihre individuelle Flugbahn über mehrere Flüge auf wenige Zentimeter genau – sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg.

Wie wurden die Bienen im Flug verfolgt?

Die Forschenden brachten winzige reflektierende Marker an den Bienen an und verfolgten sie mit einer kamerabestückten Drohne, die automatisch hochauflösende 3D-Flugbahnen aufzeichnete.

Ist der Flug genauer als der Schwänzeltanz?

Ja. Der Schwänzeltanz übermittelt die Richtung nur grob mit etwa 30 Grad Fehler. Die tatsächliche Flugpräzision der einzelnen Biene ist deutlich höher – sie orientiert sich zusätzlich an Landmarken.

Melde dich jetzt für die Imkereiverwaltung an!