Imkerwissen
Trachtlücke im Sommer: Ursachen und was du dagegen tun kannst
Im Hochsommer wird es oft plötzlich still am Flugloch: Die Frühtracht ist vorbei, die nächste noch nicht da. Diese Trachtlücke setzt den Bienen zu – und wird durch den Klimawandel größer. Wir erklären die Ursachen und was du dagegen tun kannst.
Es gibt im Bienenjahr eine tückische Phase: Nach der üppigen Frühjahrs- und Frühsommertracht folgt oft eine Zeit, in der plötzlich kaum noch etwas blüht. Diese Trachtlücke im Hochsommer ist für die Völker eine echte Belastung – und sie wird durch den Klimawandel tendenziell größer. Wir schauen uns Ursachen und Gegenmaßnahmen an.
Warum die Trachtlücke entsteht
Der Hauptgrund ist eine Verschiebung der Blühzeiten. Durch wärmere Frühjahre blühen viele Pflanzen früher – und teils gleichzeitig. Wenn Obstblüte und Raps in dasselbe kurze Fenster fallen, ist danach umso schneller Schluss. Nach der Sommersonnenwende geht das Trachtangebot in vielen Regionen stark zurück, und die aufgeräumte, artenarme Agrarlandschaft bietet oft wenig Nachschub.
Warum sie den Bienen zusetzt
Gerade jetzt ist der Zeitpunkt heikel, denn im Spätsommer zieht das Volk die wertvollen Winterbienen heran – und die brauchen reichlich Pollen. Fehlt das Angebot, muss das Volk von seinen Reserven leben. Werden die knapp, gerät es in Stress, die Brut wird reduziert, und die Winterbienen fallen schwächer aus. Eine Trachtlücke wirkt also bis in den Winter hinein.
Was du dagegen tun kannst
Als Imker hast du mehrere Hebel:
- Trachtpflanzen anbieten: Pflanze im Garten und Umfeld gezielt Spätsommerblüher. Die Trachtlücke im Spätsommer lässt sich gut mit Goldrute, Astern und Fetthenne (Sedum) schließen; die frühere „Juni-Lücke" mit Himbeere, Natternkopf und Beinwell.
- Anwandern: Wenn möglich, bringe deine Völker in eine Region mit später Tracht – etwa in die Nähe von blühenden Sonnenblumen, Linden oder Waldtracht.
- Vorräte im Blick behalten: Kontrolliere in der Lücke das Futter und hilf schwachen Völkern notfalls mit einer kleinen Gabe aus, damit die Brut nicht einbricht.
Auch für Nicht-Imker ein Thema
Bienenfreundliche Bepflanzung ist nicht nur Sache der Imker. Wer im Garten, auf dem Balkon oder am Feldrand spätblühende, ungefüllte Blüten setzt, hilft Honig- und Wildbienen gleichermaßen über die magere Zeit. Viele kleine Flächen ergeben zusammen ein großes Trachtangebot.
Fazit
Die sommerliche Trachtlücke ist eine wachsende Herausforderung – aber eine, der du aktiv begegnen kannst. Mit den richtigen Spätsommerblühern, etwas Weitsicht bei der Standortwahl und einem Blick auf die Futtervorräte bringst du deine Völker gut durch die karge Zeit.
Durchsichten dokumentieren, ohne daran zu denken
Datum, Präparat, Menge und die behandelten Völker erfasst du direkt am Stand. Die Grundlage für dein Bestandsbuch entsteht dabei nebenbei.
Kostenlos startenHäufige Fragen
Was ist eine Trachtlücke?
Eine Phase im Hochsommer, in der nach der Frühtracht kaum noch etwas blüht. Die Bienen finden dann wenig Nektar und Pollen und müssen von ihren Reserven leben.
Welche Pflanzen schließen die sommerliche Trachtlücke?
Im Spätsommer eignen sich Goldrute, Astern und Fetthenne (Sedum). Die frühere Juni-Lücke lässt sich mit Himbeere, Natternkopf und Beinwell abmildern.
Warum ist die Trachtlücke gefährlich?
Weil im Spätsommer die Winterbienen herangezogen werden, die viel Pollen brauchen. Fehlt Tracht, leidet die Brut und die Winterbienen fallen schwächer aus – das wirkt bis in den Winter.