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Imkerwissen

Auswinterung: die erste Durchsicht im Frühjahr richtig machen

Marcel Gläser  ·  5. August 2026

Auswinterung: die erste Durchsicht im Frühjahr richtig machen
Weiselrichtig, genug Futter, wie stark – drei Fragen beantwortet die erste Durchsicht ab 10 bis 12 °C. · Mit KI generiert

Die erste Durchsicht verrät dir, welche Völker durchstarten. Wer zu früh öffnet oder zu gründlich sucht, richtet mehr Schaden an, als er Erkenntnis gewinnt – dabei lässt sich das Wichtigste von außen ablesen.

Nach dem ersten warmen Tag im Februar juckt es in den Fingern. Verständlich – nach Monaten des Wartens willst du wissen, was aus deinen Völkern geworden ist. Nur: Jedes Öffnen kostet das Volk Wärme, und im Februar hat es davon nichts übrig. Das Gute ist, dass du das meiste gar nicht durch Öffnen erfährst.

Was du ablesen kannst, ohne den Deckel zu heben

Flugbetrieb beobachten. Am ersten Reinigungsflug siehst du auf einen Blick, welche Völker leben und wie kräftig sie sind. Ein Volk, das bei 12 °C nur zögerlich ein paar Bienen herausschickt, während die Nachbarbeute brummt, hat ein Problem. Bienen mit Pollenhöschen sind das beste Zeichen überhaupt: Pollen wird nur eingetragen, wenn Brut da ist – und Brut heißt, die Königin legt.

Gemülldiagnose. Die Windel ist im Frühjahr dein wichtigstes Werkzeug. An den Wachsdeckelchen erkennst du, über wie viele Wabengassen das Volk sitzt und wie groß das Brutnest ist. Die Spuren wandern über die Wochen – daran siehst du, ob sich das Brutnest ausdehnt.

Gewicht prüfen. Heb die Beute hinten leicht an. Mit ein wenig Übung spürst du, ob noch Futter da ist. Das geht in Sekunden und stört das Volk nicht.

Totenfall ansehen. Ein paar hundert tote Bienen vor dem Flugloch sind normal. Auffällig sind ausgezogene Zungen (Verhungern trotz Vorrat, weil die Traube den Kontakt zum Futter verloren hat) oder Kotspritzer auf der Vorderwand.

Wann du öffnen darfst

Warte auf einen windstillen Tag mit mindestens 10 bis 12 °C, am besten um die Mittagszeit, wenn Flugbetrieb herrscht. Je nach Region ist das Ende Februar bis Mitte März. Ein kühler, zugiger Tag ist kein Kompromiss, sondern eine schlechte Idee – ausgekühlte Brut stirbt.

Drei Fragen, mehr nicht

Die erste Durchsicht ist keine Inventur. Du beantwortest drei Fragen und machst den Deckel wieder zu.

1. Ist das Volk weiselrichtig? Du musst die Königin dafür nicht sehen. Findest du Brut in allen Stadien – Stifte, Rundmaden, verdeckelte Brut –, legt sie. Das reicht. Die Suche nach der Königin kostet nur Zeit und Wärme.

Findest du nur verdeckelte Brut und keine Stifte, ist die Königin ausgefallen oder legt nicht mehr. Findest du mehrere Eier pro Zelle und hoch aufgewölbte Deckel auf Arbeiterinnenzellen, hast du ein drohnenbrütiges Volk – da helfen keine Maßnahmen mehr, das Volk wird abgekehrt.

2. Ist genug Futter da? Das ist im Frühjahr die häufigste Todesursache – und die vermeidbarste. Mit Brutbeginn steigt der Verbrauch sprunghaft an. Ein Volk, das im Februar noch drei Kilo hat, kann im März verhungern, obwohl es den ganzen Winter überstanden hat. Als Faustzahl solltest du im Februar noch fünf bis sieben Kilo vorfinden.

Reicht es nicht, gibst du Futterteig direkt über den Sitz des Volkes. Flüssigfutter ist bei diesen Temperaturen keine gute Wahl – die Bienen können es kaum aufnehmen und es reizt zur Räuberei.

3. Wie stark ist das Volk? Zähl die besetzten Wabengassen. Diese Zahl brauchst du später, um zu entscheiden, wann erweitert wird – und um im Herbst zu verstehen, warum manche Völker besser gelaufen sind als andere.

Was du jetzt nicht tun solltest

  • Waben einzeln durchsehen. Bei zehn Grad ist jede gezogene Brutwabe ein Risiko.
  • Das Brutnest auseinanderreißen. Umhängen und Sortieren hat später Zeit.
  • Zu früh erweitern. Ein Volk, das den zusätzlichen Raum nicht besetzen kann, kühlt aus. Erweitert wird, wenn die vorhandenen Waben gedeckt sind.
  • Nach der Königin suchen. Siehe oben – Brutstadien sagen dir dasselbe in einem Bruchteil der Zeit.

Böden und Varroa

Die erste Durchsicht ist ein guter Moment, um den Boden zu reinigen oder zu tauschen. Totenfall und Gemüll wegnehmen kostet nichts und nimmt dir eine Nährstoffquelle für Wachsmotten und Schimmel.

Der Milbenfall im Frühjahr sagt dir außerdem, wie erfolgreich deine Restentmilbung war. Ein hoher Fall jetzt bedeutet, dass du im Sommer früher und konsequenter eingreifen musst.

Aufschreiben, während du davorstehst

Volksstärke, Futtervorrat, Weiselrichtigkeit – drei Angaben je Volk, die du im Mai nicht mehr zusammenbekommst, wenn du sie jetzt nicht festhältst. Wer zwei Frühjahre lang notiert, sieht beim dritten Mal Muster: welche Standorte tragen, welche Königinnen früh in Brut gehen, welche Völker regelmäßig knapp bei Futter sind.

Wie du deine Völker durch den Winter bringst, damit im Frühjahr etwas zu finden ist, steht in unserer Checkliste zum Einwintern.

Drei Angaben je Volk, die im Mai niemand mehr zusammenbekommt

Volksstärke, Futtervorrat und Weiselrichtigkeit hältst du direkt am Stand fest. Nach zwei Frühjahren siehst du, welche Völker früh in Brut gehen und welche Standorte tragen.

Durchsichten digital erfassen

Häufige Fragen

Ab welcher Temperatur darf ich das Volk im Frühjahr öffnen?

Ab etwa 10 bis 12 °C an einem windstillen Tag, am besten mittags bei Flugbetrieb. Darunter kühlt die Brut aus. Halte die Durchsicht kurz und beschränke dich auf Weiselrichtigkeit, Futtervorrat und Volksstärke.

Wie erkenne ich ohne Öffnen, ob mein Volk weiselrichtig ist?

Am Polleneintrag: Bienen mit Pollenhöschen bedeuten, dass Brut versorgt wird – und damit, dass die Königin legt. Bestätigen kannst du das bei der ersten Durchsicht über Brut in allen Stadien. Die Königin selbst musst du dafür nicht finden.

Wie viel Futter braucht ein Volk im Februar noch?

Als Faustzahl fünf bis sieben Kilo. Mit dem Brutbeginn steigt der Verbrauch stark an, deshalb verhungern Völker eher im März als im Januar. Reicht der Vorrat nicht, gibst du Futterteig direkt über den Sitz des Volkes.

Die nächste Durchsicht schon digital dokumentieren

Am Volk eintragen, zu Hause ist alles schon da. Auch wenn am Stand kein Netz ist.

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