Marcel Gläser | 27. Juli 2026
Bienen richtig einwintern: die Checkliste für gesunde Völker
Der Winter entscheidet sich im Spätsommer. Wer jetzt die Weichen richtig stellt – starkes Volk, genug Futter, wenig Varroa und guter Schutz – bringt seine Bienen sicher durchs kalte Halbjahr. Hier ist die komplette Checkliste.
„Auf die Einwinterung kommt es an" – kaum ein Imkerspruch stimmt so sehr. Ob deine Völker im Frühjahr stark starten oder gar nicht erst durchkommen, entscheidet sich schon im Spätsommer. Vier Punkte musst du dafür im Griff haben: ein starkes Volk, ausreichend Futter, eine niedrige Varroalast und den Schutz vor ungebetenen Gästen. Wir gehen die Checkliste der Reihe nach durch.
1. Ein starkes, gesundes Volk
In den Winter geht nur, was stark genug ist. Ein schwaches Volk kann die Wintertraube nicht ausreichend wärmen und geht leicht ein. Prüfe im Spätsommer die Volksstärke: Je nach Bienenmenge überwintert ein Volk ein- oder zweizargig. Sehr schwache Völker vereinigst du besser rechtzeitig mit einem stärkeren, statt sie auf gut Glück zu überwintern. Wichtig sind außerdem gesunde, junge Winterbienen – und die entstehen nur in einem varroaarmen Volk. Damit sind wir schon beim nächsten Punkt.
2. Varroa unter Kontrolle bringen
Die Varroamilbe ist die häufigste Ursache für Winterverluste. Die Sommerbehandlung nach dem Abschleudern ist deshalb Pflicht, und den Schlusspunkt setzt die Restentmilbung im brutfreien Zustand im Spätherbst oder Winter. Nur ein Volk mit niedriger Milbenlast bildet die gesunden, langlebigen Winterbienen, die es bis ins Frühjahr bringen. Kontrolliere den Behandlungserfolg mit der Windel.
3. Genug Futter – und Kontrolle
Ein Volk braucht als Richtwert rund 15 kg (einzargig) bis 18–20 kg (zweizargig) Winterfutter. Die Hauptauffütterung erfolgt im August, spätestens Mitte September sollte sie abgeschlossen sein. Prüfe im Herbst per Kippprobe, ob das Gewicht stimmt, und wirf einen Blick auf den Futterkranz. Zu knappes Futter ist im Spätwinter lebensgefährlich – dann hilft nur noch Futterteig als Notration.
4. Schutz vor Mäusen, Wespen und Nässe
Sobald die Bienen weniger fliegen, kommen die Gefahren von außen:
- Mäusegitter: Bringe im Spätsommer/Herbst ein Mäusegitter am Flugloch an. Der Zugang sollte nicht größer als 7–8 mm sein, damit auch kleine Spitzmäuse draußen bleiben. Im Frühjahr nimmst du es wieder ab.
- Flugloch verkleinern: Ein kleineres Flugloch lässt sich leichter gegen Wespen und Räuber verteidigen und hält Zugluft ab.
- Trocken und ruhig stehen lassen: Sorge für einen trockenen Stand und eine gute Belüftung, damit sich keine Nässe bildet. Und dann gilt vor allem eins: Ruhe. Störe die Wintertraube nicht unnötig – jede Öffnung kostet die Bienen wertvolle Wärme und Energie.
Die Einwinterung in Kürze
Starkes Volk, Varroa runter, Futter rauf, Schutz dran – wenn diese vier Punkte stimmen, hast du das Wichtigste getan. Hake sie am besten Volk für Volk ab und notiere dir Futtermenge und Behandlung. So gehst du beruhigt in den Winter und weißt im Frühjahr genau, wo du nachsehen musst.
Häufige Fragen
Wie stark muss ein Volk zum Einwintern sein?
Es muss stark genug sein, um die Wintertraube zu wärmen. Sehr schwache Völker überwintert man besser nicht einzeln, sondern vereinigt sie rechtzeitig mit einem stärkeren Volk.
Welche Maschenweite braucht das Mäusegitter?
Der Zugang sollte nicht größer als 7–8 mm sein, damit auch kleine Spitzmäuse nicht in die Beute gelangen. Im Frühjahr wird das Gitter wieder abgenommen.
Wie viel Futter braucht ein Volk für den Winter?
Als Richtwert rund 15 kg einzargig und 18–20 kg zweizargig. Die Auffütterung sollte bis spätestens Mitte September abgeschlossen sein.