Marcel Gläser | 5. Juli 2026
Auffütterung im Spätsommer: Wie viel Winterfutter Bienen brauchen
Nach Ernte und Varroabehandlung folgt die Auffütterung – die Grundlage für einen guten Winter. Wir klären ausführlich, wie viel Winterfutter ein Volk braucht, welches Zuckerverhältnis passt, bis wann du fertig sein solltest und wie du Räuberei und typische Fehler vermeidest.
Sobald der Honig geerntet und die erste Varroabehandlung durch ist, steht die Auffütterung an – der letzte große Handgriff des Bienenjahres, der über den Winter entscheidet. Weil du den eigenen Honig geerntet hast, fehlt den Bienen jetzt der natürliche Wintervorrat. Diesen Vorrat musst du durch Zuckerfutter ersetzen, sonst verhungern die Völker in der kalten Jahreszeit. Ein gut gefülltes, gesundes Volk ist die halbe Miete für eine erfolgreiche Überwinterung.
Wie viel Winterfutter braucht ein Volk?
Als bewährte Richtwerte gelten:
- Einzargig eingewinterte Völker: rund 15 kg Winterfutter.
- Zweizargige Völker oder Großraumbeuten: rund 18–20 kg.
Die genaue Menge hängt von Beutentyp, Volksstärke, Bienenrasse und Region ab – ein Volk in rauer Mittelgebirgslage braucht mehr Reserve als eines im milden Weinbauklima. Als Faustregel gilt: Lieber etwas großzügiger füttern als zu knapp. Übrig gebliebenes Futter kannst du im Frühjahr problemlos entnehmen; ein verhungertes Volk bekommst du nicht zurück.
Womit füttern?
Am gängigsten und günstigsten ist selbst angerührter Zuckersirup im Verhältnis 3:2 – also 3 kg Haushaltszucker auf 2 Liter Wasser. Löse den Zucker in warmem Wasser vollständig auf und reiche den Sirup handwarm, nicht heiß. Wer es bequemer mag, greift zu fertigen Invertzucker-Sirupen: Sie sind sofort einsatzbereit und werden von den Bienen gut angenommen, kosten aber mehr. Futterteig (Fondant) eignet sich dagegen weniger für die Hauptauffütterung – er ist eher etwas für spätere Ergänzungen oder als Notration im Winter, wenn die Bienen kein flüssiges Futter mehr verarbeiten können.
Wann füttern?
Beim Timing gilt: nicht zu früh, aber vor allem nicht zu spät. Die Hauptmenge gibst du im August, spätestens bis Mitte September solltest du fertig sein. Der Grund liegt in der Biologie: Die Bienen müssen das flüssige Futter erst umtragen, eindicken und in den Waben verdeckeln – und das können sie nur, solange sie ausreichend aktiv und zahlreich sind. Fütterst du zu spät, bleibt das Futter unverarbeitet, kann gären und steht im Winter nicht sicher zur Verfügung.
So fütterst du richtig – und vermeidest Räuberei
Ein paar Handgriffe entscheiden über Erfolg und Ärger:
- In passenden Portionen füttern: Bei zweizargiger Überwinterung kannst du zügig größere Mengen geben. Bei einzargiger Überwinterung sind kleinere Schübe von etwa 5 Litern besser, damit das Brutnest nicht zu früh mit Futter zugeschnürt und die Winterbienenproduktion nicht ausgebremst wird.
- Räuberei vermeiden: Füttere abends, wenn der Flugbetrieb nachlässt, verkleckere nichts und enge bei schwachen Völkern das Flugloch ein. Im Spätsommer ist die Tracht knapp – ein offen stehender Futtertrog lockt sonst fremde Bienen und Wespen an, und Räuberei kann ganze Völker zugrunde richten.
- Passendes Futtergeschirr nutzen: Futtertrog, Aufsetzzarge oder Futtereimer mit Schwimmhilfe, damit keine Bienen ertrinken.
Kontrolle: Ist genug drin?
Ob dein Volk ausreichend versorgt ist, prüfst du am einfachsten per Kippprobe: Du hebst die Beute hinten leicht an und schätzt am Gewicht, wie voll sie ist – mit etwas Übung ein erstaunlich zuverlässiges Gefühl. Ergänzend zeigt ein Blick auf den Futterkranz über dem Brutnest, wie die Reserven stehen. Notiere dir, welches Volk wie viel bekommen hat. So behältst du den Überblick über alle Völker und weißt im Spätwinter, wo du zur Not mit Futterteig nachhelfen musst.
Häufige Fragen
Wie viel Winterfutter braucht ein Bienenvolk?
Als Richtwert rund 15 kg bei einzargiger, etwa 18–20 kg bei zweizargiger Überwinterung oder Großraumbeuten. Die genaue Menge hängt von Beute, Volksstärke und Region ab.
Welches Zuckerverhältnis für Winterfutter?
Üblich ist Zuckersirup 3:2 (3 kg Zucker auf 2 Liter Wasser). Fertige Invertzucker-Sirupe sind bequemer, aber teurer. Futterteig eher für spätere Ergänzung.
Bis wann muss die Auffütterung abgeschlossen sein?
Die Hauptmenge im August geben, spätestens bis Mitte September fertig sein – solange die Bienen das Futter noch umtragen, eindicken und verdeckeln können.