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Marcel Gläser | 3. Juli 2026

Varroa-Sommerbehandlung 2026: Ameisensäure richtig anwenden

Nach der letzten Honigernte beginnt die wichtigste Varroabehandlung des Jahres. Wir zeigen dir ausführlich, wie du im Sommer mit Ameisensäure vorgehst – vom richtigen Zeitpunkt über die passende Temperatur und Methode bis zur Erfolgskontrolle und Restentmilbung.

Varroa-Sommerbehandlung mit Ameisensäure – Infografik
Ameisensäure wirkt temperaturabhängig – das ideale Fenster liegt bei etwa 15–30 °C. · Mit KI generiert

Es gibt in der Imkerei wenige Termine, die so über Erfolg oder Misserfolg entscheiden wie die Varroa-Sommerbehandlung. Wer die Milbe jetzt nicht in den Griff bekommt, riskiert geschädigte Winterbienen, Viruserkrankungen und im schlimmsten Fall den Zusammenbruch des Volkes im Winter. Deshalb gilt die klare Regel: direkt nach dem Abschleudern der letzten Ernte – meist Mitte bis Ende Juli – geht es los. Jeder Tag, den du wartest, arbeitet für die Milbe.

Erst messen, dann behandeln

Bevor du zur Säure greifst, verschaff dir ein Bild vom Befall. Zwei bewährte Methoden: Bei der Gemülldiagnose legst du die Windel ein und zählst nach einigen Tagen den natürlichen Milbenfall pro Tag. Bei der Puderzucker-Methode rollst du eine Probe Bienen in Puderzucker und zählst die abgefallenen Milben. Beide Verfahren sagen dir, wie dringend die Lage ist – und liefern später den Vergleichswert, um den Behandlungserfolg zu beurteilen. Ohne Messung behandelst du im Blindflug.

Warum ausgerechnet Ameisensäure?

Im Sommer ist Ameisensäure das Mittel der Wahl – aus einem einfachen, aber entscheidenden Grund: Sie ist die einzige der gängigen Säuren, die auch in die verdeckelte Brut hineinwirkt. Und genau dort, unter den Zelldeckeln, versteckt sich im Sommer der Großteil der Milben. Die Säure verdunstet im Volk und tötet die Milben über deren Atemwege. Andere Mittel wie Oxalsäure erreichen nur die Milben auf den Bienen und wären jetzt, bei viel Brut, wirkungslos.

Die Temperatur ist der Schlüssel

Ameisensäure wirkt über die Verdunstung – und die hängt direkt am Wetter. Das ideale Fenster liegt bei etwa 15–30 °C. Ist es zu kalt, verdunstet zu wenig Säure und die Milben überleben. Ist es zu heiß, verdunstet zu viel auf einmal, was den Bienen und der offenen Brut schaden und im Extremfall sogar die Königin gefährden kann. Behalte die Wettervorhersage im Blick und starte die Behandlung an Tagen mit moderaten Temperaturen. Manche Verdunster mit Vlies gleichen Temperaturschwankungen zusätzlich aus.

Methoden und Dosierung

Für die Anwendung gibt es mehrere bewährte Wege, und die Wahl ist auch Geschmackssache:

  • Verdunster wie der Nassenheider oder der Liebig-Dispenser geben die Säure über mehrere Tage kontrolliert ab.
  • Die Schwammtuch-Methode ist günstig und einfach, wirkt aber als kurzer, kräftiger Stoß und will genau dosiert sein.
  • Fertige Gel-Streifen vereinfachen die Anwendung, sind dafür teurer.

Die Dosierung richtet sich nach Beutentyp, Volksgröße und Konzentration der Säure – halte dich strikt an die Angaben des jeweiligen Präparats und Verdunsters. Üblich sind zwei Behandlungsdurchgänge im Abstand einiger Wochen, um die Milbenvermehrung im Juli und August wirksam zu bremsen und auch die Milben zu erwischen, die zwischenzeitlich aus der Brut geschlüpft sind.

Sicherheit geht vor: Ameisensäure ist ätzend und ihre Dämpfe reizen die Atemwege. Trage immer säurefeste Handschuhe und eine Schutzbrille, arbeite im Freien und fülle nur im Windschatten um.

Erfolg kontrollieren – und notfalls nachlegen

Nach jeder Behandlung zeigt dir die Windel, wie viele Milben gefallen sind. Vergleiche den Wert mit deiner Ausgangsmessung. Bleibt der Befall trotz Behandlung hoch, musst du nachbehandeln – lieber einmal zu viel als ein geschwächtes Volk in den Winter schicken. Beachte dabei die Herstellerangaben und die aktuellen Empfehlungen deines Bieneninstituts, denn die optimalen Zeitpunkte und Mengen können regional variieren.

Die Restentmilbung nicht vergessen

Ein häufiger Fehler: Nach der Sommerbehandlung die Hände in den Schoß zu legen. Die Sommerbehandlung allein reicht meist nicht aus, um die Völker sauber in den Winter zu bringen. Den Schlusspunkt setzt die Restentmilbung im brutfreien Zustand im Spätherbst oder Winter – mit Oxalsäure zum Träufeln, Sprühen oder als Streifen. Erst die Kombination aus rechtzeitiger Sommerbehandlung und konsequenter Restentmilbung bringt deine Völker gesund und stark ins nächste Frühjahr.

Häufige Fragen

Wann ist die richtige Zeit für die Varroa-Sommerbehandlung?

Direkt nach dem Abschleudern der letzten Honigernte, meist Mitte bis Ende Juli. Vorher den Befall messen (Gemülldiagnose oder Puderzucker).

Welche Temperatur braucht Ameisensäure?

Das ideale Fenster liegt bei etwa 15–30 °C. Zu kalt: zu wenig Verdunstung und Wirkung. Zu heiß: zu starke Verdunstung mit Risiko für Bienen und Brut.

Reicht die Sommerbehandlung allein aus?

Meist nicht. Im brutfreien Zustand im Spätherbst/Winter folgt die Restentmilbung mit Oxalsäure. Erst die Kombination bringt die Völker sauber in den Winter.

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