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| 15. September 2020

Imkern in Corona-Zeiten: Was sich für Imker geändert hat

Das Jahr 2020 hat uns alle vor unerwartete Herausforderungen gestellt – auch uns Imker. Doch Bienen kennen keinen Lockdown. Ein Rückblick auf ein besonderes Imkerjahr.

Imker am Bienenstand in Corona-Zeiten

Wenn im Frühjahr 2020 plötzlich alles stillstand, gab es eine Gruppe, die trotzdem raus musste: wir Imker. Denn Bienen interessieren sich herzlich wenig für Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren. Wenn die Kirsche blüht, muss der Honigraum drauf – Corona hin oder her.

Imkerei als systemrelevant

Tatsächlich wurde die Bienenhaltung in vielen Bundesländern als systemrelevant eingestuft. Das klingt erstmal hochtrabend, hat aber einen einfachen Grund: Honigbienen sind für die Bestäubung von rund 80 Prozent unserer heimischen Blütenpflanzen mitverantwortlich. Ohne Pflege durch den Imker – gerade im Frühjahr – drohen Völkerverluste. Die Fahrt zum Bienenstand war also auch während des Lockdowns erlaubt und nötig.

Alleine zu den Bienen

In der Praxis hat sich für viele von uns gar nicht so viel geändert. Die meisten Hobbyimker fahren ohnehin alleine zu ihren Völkern. Abstand halten am Bienenstand? Kein Problem, wenn du sowieso der einzige Mensch zwischen den Beuten bist. Schwieriger wurde es bei Gemeinschaftsständen oder wenn man zu zweit arbeitet – hier mussten Absprachen getroffen werden.

Imkerkurse: Vom Bienenstand ins Wohnzimmer

Eine der größten Veränderungen betraf die Ausbildung. Anfängerkurse, die normalerweise am lebenden Volk stattfinden, mussten plötzlich online durchgeführt werden. Viele Imkervereine haben erstaunlich schnell reagiert und Videokonferenzen, Online-Vorträge und digitale Stammtische auf die Beine gestellt. Natürlich ersetzt kein Bildschirm den ersten echten Blick ins Bienenvolk – aber es war besser als gar nichts.

Regionaler Honig im Aufwind

Eine erfreuliche Entwicklung: Die Nachfrage nach regionalem Honig ist 2020 spürbar gestiegen. Durch die Pandemie ist bei vielen Menschen das Bewusstsein für lokale Produkte gewachsen. Wer seinen Honig ab Haustür oder auf dem Wochenmarkt verkauft, hat das deutlich gemerkt. Direktvermarktung war plötzlich nicht nur ein Nischenthema, sondern ein echtes Verkaufsargument.

D.I.B.-Mitgliederzahlen: Es geht weiter bergauf

Besonders beeindruckend: Trotz eingeschränkter Vereinsarbeit und ausgefallener Informationsveranstaltungen sind die Mitgliederzahlen des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) auch 2020 weiter gestiegen – von 127.253 auf 132.633 Mitglieder, ein Plus von über vier Prozent. Das Wachstum war zwar etwas langsamer als im Vorjahr, aber angesichts der Umstände ein starkes Signal: Das Interesse an der Imkerei ist ungebrochen.

Mehr Zeit für die Bienen dank Homeoffice

Und dann gab es da noch einen unerwarteten Vorteil: Homeoffice. Wenn du plötzlich von zu Hause arbeitest und deine Bienen im Garten stehen hast, kannst du mal eben in der Mittagspause nach den Völkern schauen. Kein Stau, kein Zeitdruck nach Feierabend. Viele Imker berichten, dass sie 2020 mehr Zeit für ihre Bienen hatten als je zuvor. Das ist doch mal eine schöne Nebenwirkung einer ansonsten schwierigen Zeit.

Corona hat uns Imkern einiges abverlangt – vor allem in der Vereinsarbeit und bei der Nachwuchsgewinnung. Aber es hat auch gezeigt: Die Imkerei ist krisenfest. Bienen brauchen uns, und wir brauchen sie. Und manchmal braucht es eine Pandemie, um das wieder ins Bewusstsein zu rücken.

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