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| 20. Juni 2022

Honig wird teurer: Warum die Preise steigen

Honig ist 2022 deutlich teurer geworden. Die Gründe sind vielfältig – von gestiegenen Glaspreisen über Energiekosten bis zum Ukraine-Krieg. Warum du deinen Honig nicht unter Wert verkaufen solltest.

Honigpreise ziehen an

Wenn du 2022 im Supermarkt vor dem Honigregal stehst, fällt es auf: Die Preise sind gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt lagen die Verbraucherpreise für Honig 2022 deutlich über dem Vorjahresniveau. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte zogen die Preise kräftig an – mit zweistelligen Teuerungsraten gegenüber dem Vorjahresmonat.

Für uns Imker ist das einerseits eine gute Nachricht, denn fairer Honig hat seinen Preis verdient. Andererseits stecken dahinter reale Kostensteigerungen, die auch uns treffen.

Warum wird alles teurer?

Die Gründe für den Preisanstieg sind vielfältig:

  • Glaspreise: Honiggläser sind 2022 erheblich teurer geworden. Lieferengpässe und gestiegene Energiekosten in der Glasproduktion schlagen direkt durch. Wer D.I.B.-Gläser verwendet, hat die Preiserhöhung beim Nachbestellen gemerkt.
  • Zucker und Futtermittel: Auch Futtersirup und Zucker für die Wintereinfütterung kosten mehr als noch vor einem Jahr.
  • Energiekosten: Gas und Strom sind massiv gestiegen – das betrifft die gesamte Lieferkette, von der Wachsverarbeitung bis zum Transport.
  • Verpackung und Etiketten: Papier, Karton, Druckkosten – alles teurer.

Der Faktor Ukraine-Krieg

Ein wesentlicher Grund für die weltweite Honigpreisentwicklung ist der Krieg in der Ukraine. Die Ukraine ist einer der größten Honigproduzenten Europas und weltweit unter den Top 5 der Honig-Exporteure. Mit einer jährlichen Produktion von rund 70.000 Tonnen und einem Anteil von etwa 5 Prozent an der Weltproduktion fällt jede Störung ins Gewicht.

Durch den Krieg sind Bienenstände zerstört worden, Imker mussten fliehen, und Exportrouten wurden unterbrochen. Das hat das Angebot auf dem Weltmarkt verknappt und die Preise nach oben getrieben – auch in Deutschland, das große Mengen Honig importiert.

Wie kalkulierst du deinen Honigpreis?

Viele Hobbyimker verkaufen ihren Honig viel zu günstig. Da wird das 500g-Glas für 4 oder 5 Euro über den Gartenzaun gereicht – ohne die eigentlichen Kosten zu bedenken. Eine ehrliche Kalkulation sollte folgende Posten berücksichtigen:

  • Materialkosten: Gläser, Deckel, Etiketten, ggf. D.I.B.-Gewährverschlüsse
  • Betriebsmittel: Zucker/Futtersirup, Mittelwände, Varroabehandlung, Werkzeug
  • Arbeitszeit: Durchsichten, Honigernte, Schleudern, Abfüllen, Etikettieren, Vermarktung
  • Abschreibungen: Beuten, Schleuder, Entdeckelungsgeschirr
  • Gewinnmarge: Ja, auch ein Hobbyimker darf Gewinn machen!

Wenn du alles zusammenrechnest, kommst du schnell auf Kosten, die einen Verkaufspreis von 6 bis 8 Euro pro 500g-Glas rechtfertigen – und bei Direktverkauf ab Haustür oder auf dem Wochenmarkt auch darüber.

Regionaler Honig hat seinen Preis verdient

Der Durchschnittspreis für ein 500g-Glas Honig im D.I.B.-Glas lag 2022 bei etwa 6 bis 8 Euro. Im Direktverkauf, auf Märkten oder im Hofladen sind auch 8 bis 10 Euro keine Seltenheit – und durchaus angemessen.

Verbraucher, die bewusst beim Imker vor Ort kaufen, wissen den Unterschied zu industriell abgefülltem Import-Honig zu schätzen. Sie zahlen gerne etwas mehr für ein Produkt, dessen Herkunft sie kennen, das unverfälscht ist und das die heimische Bestäubungsleistung unterstützt.

Nicht unter Wert verkaufen!

Mein Appell an alle Hobbyimker: Verkauft euren Honig nicht unter Wert! Wenn du ihn zu billig abgibst, schadest du nicht nur dir selbst, sondern auch den Kolleginnen und Kollegen in deiner Region. Ein fairer Preis signalisiert Qualität und wertschätzt die viele Arbeit, die in jedem Glas steckt.

Trau dich, deine Preise anzupassen. Die Kosten sind gestiegen – und dein Honig ist es wert.

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