| 26. Februar 2026
BeeLife fordert: EU braucht eine Bienenpolitik aus einem Guss
Das neue Positionspapier von BeeLife bringt es auf den Punkt: Die EU-Politik für Bienen und Imkerei ist ein Flickenteppich. Landwirtschaftspolitik, Chemikalienrecht und Naturschutz arbeiten oft gegeneinander statt miteinander. Der Deutsche Imkerbund hat an dem Papier mitgewirkt und macht klar: Wer Bienen schützen will, muss endlich alle Politikbereiche zusammendenken.
Wer imkert, weiß: Unsere Bienen leben nicht im luftleeren Raum. Was auf den Feldern rund um unsere Bienenstände passiert, entscheidet oft darüber, ob ein Bienenjahr gut oder schlecht wird. Genau hier setzt ein neues Positionspapier von BeeLife European Beekeeping Coordination an – einer europäischen Koordinationsorganisation der Imkerei (NGO), in der auch der Deutsche Imkerbund (DIB) Mitglied ist.
Worum geht es?
Der Policy Brief "Preserving What Bees Make Possible – Policy Needs for Beekeepers' Livelihoods, Farming Resilience, and Food Security" richtet sich an den Agrarausschuss (AGRI Committee) des Europäischen Parlaments und benennt ein Kernproblem: Die vielen EU-Regelungen, die Bienen und Imkerei betreffen, greifen nicht ineinander.
Landwirtschaftspolitik (GAP), Chemikalienrecht, Naturschutzrichtlinien, Marktregulierung und Innovationsförderung – all diese Bereiche haben Auswirkungen auf die Imkerei. Doch sie werden in Brüssel häufig in unterschiedlichen Zuständigkeiten und Politiklogiken verwaltet – mit teilweise gegensätzlichen Zielen. Das Ergebnis: Ein Flickenteppich, der am Ende niemandem wirklich hilft.
Warum uns das als Imker betrifft
Der entscheidende Punkt, den BeeLife herausarbeitet: Imkerinnen und Imker arbeiten in der Regel nicht auf eigenem Land. Wir stellen unsere Völker auf, sind aber darauf angewiesen, dass in der Umgebung genügend Blüten wachsen, dass Pflanzenschutzmittel verantwortungsvoll eingesetzt werden und dass invasive Arten wie die Asiatische Hornisse bekämpft werden.
Wenn das nicht passiert, tragen wir die Kosten – und zwar direkt:
- Völkerverluste durch Vergiftungen oder Nahrungsmangel
- Höhere Kosten für Völkerersatz und Notfütterungen
- Qualitätsprobleme beim Honig
- Einkommensverluste, die niemand kompensiert
Neue politische Kräfteverhältnisse in Brüssel
Das Positionspapier kommt nicht zufällig gerade jetzt. Seit der letzten Europawahl 2024 haben sich die Fraktionsstärken im Europäischen Parlament verschoben. BeeLife und der DIB beobachten mit Sorge, dass sich diese Verschiebung teilweise gegen die Interessen der Imkerei auswirkt.
Konkret: Viele Abgeordnete zeigen sich zwar grundsätzlich bienenfreundlich, stimmen aber bei konkreten Abstimmungen zu Umwelt- und Landwirtschaftspolitik gegen Maßnahmen, die Bestäubern zugutekommen würden. Das Papier beschreibt dieses Verhalten als "unvorteilhaft" – diplomatisch ausgedrückt.
Wer sich selbst ein Bild machen will: BeeLife hat mit dem Bee Score ein Online-Tool geschaffen, das das Abstimmungsverhalten der EU-Parlamentarier bei bestäuberrelevanten Themen transparent macht.
Das Honigmarkt-Problem
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Papiers betrifft den Honigmarkt. Verfälschte und minderwertige Honigimporte drücken seit Jahren die Preise in der EU. Die koordinierte EU-Aktion "From the Hives" hat 2021/2022 gezeigt, dass rund die Hälfte der untersuchten Importhonig-Proben vermutlich nicht den Vorschriften entsprach.
Die fünf Kernforderungen
- Kohärente Politik: Alle relevanten Politikbereiche müssen aufeinander abgestimmt werden.
- Bestäubung als öffentliches Gut: Die Bestäubungsleistung der Bienen muss als essenzieller Beitrag zur Landwirtschaft anerkannt werden.
- Schutz vor Honigbetrug: Wirksame Maßnahmen gegen verfälschte Importe.
- Sichere Rahmenbedingungen: Pflanzenschutzmittel müssen verantwortungsvoll reguliert werden.
- Ganzheitliches Monitoring: Bienengesundheit, Ernährung und Produktqualität gemeinsam betrachten.
Was bedeutet das für Hobby-Imker?
Ob Neonicotinoide auf dem Rapsfeld neben dem Bienenstand erlaubt sind, ob gepanschter Honig aus Drittländern den Markt flutet oder ob Blühstreifen in der GAP gefördert werden – das alles wirkt sich direkt auf jeden von uns aus, egal ob wir 3 oder 300 Völker haben.
Das vollständige Positionspapier (auf Englisch) findet sich auf der Webseite des Deutschen Imkerbundes.
Fazit
Die Botschaft ist klar: Bienenpolitik darf kein Lippenbekenntnis sein. Wer Bestäuber schützen und die Imkerei stärken will, muss die verschiedenen Politikbereiche endlich zusammenbringen. Für uns heißt das: Augen auf bei der nächsten Europawahl, Bee Score checken – und nicht müde werden, unsere Interessen einzufordern.