| 20. März 2021
Hobbyimker-Boom: Immer mehr Menschen entdecken die Bienenhaltung
Die Imkerei erlebt einen beispiellosen Aufschwung. Immer mehr Menschen entdecken Bienen als faszinierendes Hobby – doch der Boom bringt auch Herausforderungen mit sich.
Überall sprießen neue Bienenstöcke aus dem Boden – auf Balkonen, in Gärten, auf Dachterrassen. Die Hobbyimkerei boomt wie nie zuvor, und die Zahlen bestätigen diesen Trend eindrucksvoll.
Die Zahlen sprechen für sich
Der Deutsche Imkerbund (D.I.B.) verzeichnet seit Jahren kontinuierlich steigende Mitgliederzahlen. Über 130.000 Imkerinnen und Imker sind mittlerweile in den Landesverbänden organisiert – Tendenz weiter steigend. Weniger als ein Prozent davon betreibt die Imkerei erwerbsmäßig. Das bedeutet: Die allermeisten Imker sind Hobbyimker.
Der Lockdown-Effekt
Die Corona-Pandemie hat diesen Trend nochmal deutlich verstärkt. Wenn das Reisen wegfällt und die Freizeit sich auf den eigenen Garten beschränkt, suchen viele Menschen nach einem sinnvollen Ausgleich in der Natur. Bienen bieten genau das: ein Hobby, das dich nach draußen bringt, das Geduld und Achtsamkeit erfordert und das am Ende sogar leckeren Honig liefert.
Viele Neuimker berichten, dass die Arbeit an den Bienen für sie zur echten Entspannung geworden ist. Das bewusste Beobachten der Natur, das Arbeiten mit den Händen – ein wunderbarer Gegenpol zum digitalen Alltag.
Herausforderungen durch den Boom
So erfreulich der Trend ist, er bringt auch Herausforderungen mit sich. Die Schulungskapazitäten bei den Imkervereinen sind begrenzt. Viele Vereine melden lange Wartelisten für ihre Anfängerkurse. Wer sich für die Imkerei interessiert, sollte sich daher frühzeitig anmelden – am besten schon im Herbst oder Winter für Kurse im Frühjahr.
Es gibt auch kritische Stimmen: Eine zu hohe Bienendichte in bestimmten Gebieten kann zu Nahrungskonkurrenz führen – nicht nur zwischen Honigbienenvölkern untereinander, sondern auch mit Wildbienen und anderen Bestäubern. Hier ist Verantwortungsbewusstsein gefragt: Nicht jeder Standort verträgt unbegrenzt viele Völker.
Tipps für Einsteiger
Wenn du mit dem Gedanken spielst, selbst Imker zu werden, beherzige bitte diese Ratschläge:
- Tritt einem Imkerverein bei. Der Verein ist deine wichtigste Anlaufstelle. Hier findest du erfahrene Imkerpaten, die dir den Einstieg erleichtern.
- Mach einen Kurs. Imkerei ist kein Hobby, das man sich mal eben selbst beibringt. Ein guter Anfängerkurs über eine komplette Bienensaison ist Gold wert.
- Leg nicht einfach los. Bitte kauf dir nicht einfach ein Bienenvolk und stell es in den Garten. Bienen sind Lebewesen mit komplexen Bedürfnissen. Ohne Grundwissen schadest du den Tieren mehr, als du ihnen hilfst.
- Plane realistisch. Zwei bis drei Völker sind für den Anfang genug. Die Kosten für die Grundausstattung liegen bei mehreren hundert Euro.
Jeder Imker zählt
Trotz aller Herausforderungen: Jeder neue Imker und jede neue Imkerin hilft dabei, das Bewusstsein für den Insektenschutz zu stärken. Wer Bienen hält, sieht die Natur mit anderen Augen. Man achtet plötzlich auf Blühflächen, ärgert sich über Steingärten und freut sich über jede Wildblumenwiese.
Und genau dieses Umdenken brauchen wir. Also: Willkommen in der Imkerei – aber bitte mit Kurs und Verein!