Marcel Gläser | 20. Juli 2026
Räuberei vermeiden: So schützt du deine Völker im Spätsommer
Wenn die Tracht versiegt, wird es am Bienenstand gefährlich: Räuberei kann im Spätsommer ganze Völker vernichten. Wir zeigen, wie sie entsteht, wie du sie zuverlässig verhinderst und was du tust, wenn sie schon begonnen hat.
Der Spätsommer ist eine kritische Zeit am Bienenstand. Die Tracht ist weitgehend vorbei, die Völker sind auf der Suche nach Nahrung – und genau dann kann aus friedlichen Sammlerinnen ein Räubertrupp werden. Räuberei ist eines der unterschätzten Risiken der Saison: Sie kann in wenigen Stunden ein Volk plündern und im schlimmsten Fall vernichten. Mit dem richtigen Verhalten lässt sie sich aber fast immer vermeiden.
Was ist Räuberei – und warum ist sie so gefährlich?
Von Räuberei spricht man, wenn Bienen aus fremden Völkern in eine andere Beute eindringen, um deren Futtervorräte zu stehlen. Betroffen sind vor allem schwache Völker, die ihr Flugloch nicht ausreichend verteidigen können. Ist die Räuberei erst einmal in Gang, entwickelt sie eine gefährliche Eigendynamik: Immer mehr Räuberinnen werden angelockt, das überfallene Volk verliert seine Vorräte und oft auch die Königin. Zusätzlich werden dabei Krankheiten wie die Faulbrut von Stand zu Stand verschleppt.
Wann droht Räuberei?
Das Risiko steigt, sobald das natürliche Trachtangebot nachlässt – typischerweise ab Ende Juli. Besonders gefährlich sind warme, trachtlose Tage. Auch imkerliche Eingriffe können Räuberei auslösen: offenes Füttern, verschütteter Sirup, lange offen stehende Beuten bei der Durchsicht oder herumliegende Honigwaben. Der Duft von Honig und Zuckerwasser ist für suchende Bienen wie eine Einladung.
So beugst du zuverlässig vor
Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Regeln bekommst du das Problem sehr gut in den Griff.
- Flugloch verkleinern: Gerade schwache Völker verteidigen ein kleines Flugloch viel leichter. Setze rechtzeitig einen Fluglochkeil ein.
- Abends füttern: Gib das Winterfutter am späten Abend, wenn der Flugbetrieb ruht. Bis zum Morgen ist der Sirup aufgenommen und lockt niemanden mehr an.
- Nichts verkleckern: Verschütte keinen Sirup oder Honig am Stand und lass keine Waben oder Futtereimer offen herumstehen.
- Zügig und geschlossen arbeiten: Halte Beuten bei der Durchsicht nicht länger offen als nötig, besonders an trachtlosen Tagen.
- Dichte Beuten: Achte darauf, dass die Beuten keine zusätzlichen Ritzen oder Löcher haben, durch die Räuber eindringen können.
Räuberei erkennen und stoppen
Erkennen kannst du Räuberei an einem hektischen, ungerichteten Flugbetrieb vor dem Flugloch, an kämpfenden Bienen auf dem Anflugbrett und an Bienen, die die Beute an den Ritzen absuchen. Reagierst du sofort, kannst du das Volk oft noch retten: Verkleinere das Flugloch drastisch (im Notfall bis auf den Durchgang für ein bis zwei Bienen), reduziere so den zu verteidigenden Bereich. Ein feuchtes Tuch über der Beute oder ein zeitweiliges Verhängen des Fluglochs mit lockerem Gras kann die Räuberei zusätzlich unterbrechen. In schweren Fällen hilft es, das betroffene Volk für ein bis zwei Tage an einen anderen Standort zu bringen.
Starke Völker sind der beste Schutz
Am Ende ist die wirksamste Vorbeugung ein gesundes, starkes Volk mit einer jungen Königin. Schwache Völker solltest du im Spätsommer entweder gezielt stärken oder mit einem anderen Volk vereinigen. So nimmst du der Räuberei von vornherein ihre bevorzugten Opfer.
Häufige Fragen
Wodurch entsteht Räuberei bei Bienen?
Vor allem durch nachlassende Tracht im Spätsommer in Kombination mit schwachen Völkern und Fehlern wie offenem Füttern oder verschüttetem Sirup. Der Futtergeruch lockt fremde Bienen an.
Wie kann ich Räuberei verhindern?
Flugloch verkleinern, nur abends füttern, nichts verkleckern, Beuten bei der Durchsicht nicht lange offen lassen und auf dichte Beuten achten. Starke Völker verteidigen sich am besten selbst.
Was tun, wenn die Räuberei schon läuft?
Sofort das Flugloch drastisch verkleinern, notfalls das Volk kurz an einen anderen Standort bringen. Ein feuchtes Tuch oder lockeres Gras vor dem Flugloch kann die Räuberei unterbrechen.