Varroose (Varroamilbe)
Krankheiten
Die Varroose ist die Erkrankung eines Bienenvolkes durch die Milbe Varroa destructor.
Die Varroose ist die Erkrankung eines Bienenvolkes durch die Milbe Varroa destructor. Die Milbe stammt ursprünglich von der Östlichen Honigbiene Apis cerana und hat sich seit dem 20. Jahrhundert weltweit auf die Westliche Honigbiene ausgebreitet. Sie vermehrt sich ausschließlich in der verdeckelten Brut: Die Muttermilbe schlüpft kurz vor dem Verdeckeln in die Zelle, legt dort Eier, und die heranwachsenden Milben ernähren sich von der Puppe. Drohnenbrut wird deutlich bevorzugt, weil sie länger verdeckelt bleibt und den Milben mehr Nachkommen erlaubt.
Am Volk zeigt sich ein starker Befall an geschädigten Jungbienen mit verkrüppelten Flügeln oder verkürztem Hinterleib, an lückenhafter Brut, an geöffneten oder eingesunkenen Zelldeckeln und an Milben, die auf erwachsenen Bienen sitzen. Im Gemüll auf der Bodeneinlage finden sich braune, schildförmige Milben. Weil die Milbe zusätzlich Viren wie das Flügeldeformationsvirus überträgt und die Bienen schwächt, ist der Zusammenbruch oft nicht die Folge der Milbenzahl allein, sondern des Zusammenspiels von Parasit und Virusinfektion. Typisch ist ein Kollaps im Spätsommer oder Herbst, häufig verbunden mit Räuberei durch Nachbarvölker.
Der Befall lässt sich messen, statt zu schätzen. Üblich sind die Gemülldiagnose über eine Bodeneinlage, bei der der natürliche Milbenfall über mehrere Tage gezählt und auf Milben je Tag umgerechnet wird, sowie die Puderzuckermethode, bei der eine abgemessene Bienenprobe mit trockenem Puderzucker bestäubt und die abfallenden Milben ausgezählt werden. Auch das Öffnen verdeckelter Drohnenbrut gibt Hinweise. Die Schwellenwerte, ab denen behandelt werden muss, hängen von Monat und Region ab, deshalb sollte man sich an das Behandlungskonzept des zuständigen Bieneninstituts halten und die Zahlen dokumentieren.
Die Bekämpfung ist ein Konzept über das ganze Jahr und keine einzelne Maßnahme. Im Frühjahr und Vorsommer wirkt die Drohnenbrutentnahme befallsmindernd. Nach der letzten Honigernte folgt die Sommerbehandlung, häufig mit Ameisensäure über einen geeigneten Verdunster oder über Verfahren mit Brutentnahme beziehungsweise Teilen und Behandeln. Im Winter, wenn das Volk brutfrei ist, folgt die Restentmilbung mit Oxalsäure durch Träufeln oder Verdampfen mit einem dafür zugelassenen Produkt. Nach jeder Behandlung gehört eine Erfolgskontrolle über den Milbenfall dazu.
Zu unterlassen sind Behandlungen während der Tracht oder bei aufgesetztem Honigraum, selbst angesetzte Mischungen und nicht zugelassene Mittel. Es dürfen nur für Bienen zugelassene Tierarzneimittel eingesetzt werden, und jede Anwendung ist im Bestandsbuch zu dokumentieren. Wer die Sommerbehandlung verschiebt, schädigt die Winterbienen, die im August und September heranwachsen. Eine Anzeigepflicht besteht für die Varroose in Deutschland nicht, wohl aber die allgemeine Pflicht, die eigenen Völker gesund zu erhalten.