Rückstände im Wachs
Lexikon
Bienenwachs speichert Fremdstoffe besonders zuverlässig, weil es aus lipophilen, also fettliebenden Molekülen aufgebaut ist.
Bienenwachs speichert Fremdstoffe besonders zuverlässig, weil es aus lipophilen, also fettliebenden Molekülen aufgebaut ist. Stoffe, die sich in Fett gut lösen, lagern sich bevorzugt im Wachs ein und werden dort über lange Zeit kaum abgebaut. Während Honig meist innerhalb weniger Monate geerntet und aus dem Stock entfernt wird, bleibt Wachs oft über viele Jahre im Bestand im Umlauf, sodass sich Rückstände dort anreichern können.
Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Wirkstoffe, die selbst zur Bekämpfung der Varroamilbe eingesetzt wurden, etwa ältere Akarizide auf Basis von Phosphorsäureestern oder Pyrethroiden, daneben aber auch Rückstände aus der Landwirtschaft, die über Pollen und Nektar eingetragen werden. Eine im Fachjournal Science of the Total Environment veröffentlichte Untersuchung von Bienenstandproben aus Spanien fand die Wirkstoffe Coumaphos, Chlorfenvinphos, Fluvalinat und Acrinathrin in mehr als 75 Prozent der untersuchten Wachsproben, wie die Fachseite bienen-nachrichten.de berichtet. Für Bayern meldet der Tiergesundheitsdienst in seiner Übersicht zu Rückständen im Bienenwachs, dass in den regelmäßig ausgewerteten Einsendungen knapp die Hälfte der Proben in einem als relevant eingestuften Umfang belastet war.
Beide Zahlen stammen aus unterschiedlichen Regionen, Zeiträumen und Untersuchungsansätzen und lassen sich deshalb nicht direkt vergleichen, sie zeigen aber übereinstimmend, dass Rückstände im Wachs kein Randphänomen sind, sondern in einem erheblichen Teil der untersuchten Betriebe regelmäßig nachweisbar sind. Für die tägliche Praxis folgt daraus, dass insbesondere ältere, dauerhaft im eigenen Kreislauf zirkulierende Waben potenziell stärker belastet sind als junges Wachs.
Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass Rückstände im Wachs automatisch auf falsche oder unsachgemäße Anwendung von Behandlungsmitteln hindeuten. Tatsächlich können sich Wirkstoffe auch bei vorschriftsmäßiger Anwendung über Jahre im Wachs anreichern, weil sie dort kaum abgebaut werden. Deshalb wird empfohlen, den Zustand des eigenen Wachses im Blick zu behalten und regelmäßig Altwaben durch frische Mittelwände zu ersetzen.