Puderzucker (biotechnisches Verfahren)
Behandlungsmittel
Puderzucker ist kein Arzneimittel und enthält keinen Wirkstoff.
Puderzucker ist kein Arzneimittel und enthält keinen Wirkstoff. Er wirkt rein mechanisch: Der feine Zuckerstaub setzt sich zwischen Milbe und Biene, die Milbe verliert den Halt am Bienenkörper und fällt ab. Am Bieneninstitut Kirchhain wurde daraus ein Verfahren entwickelt, mit dem sich der Varroabefall eines Volkes bestimmen lässt, ohne dass Bienen getötet werden müssen.
Der etablierte und gut belegte Einsatz ist deshalb die Befallsdiagnose, nicht die Behandlung. Für die Bienenprobe wird ein Becher mit rund 50 Gramm Bienen gefüllt, in einem Schüttelbecher mit Puderzucker versetzt und der Zucker mitsamt der abgefallenen Milben ausgesiebt und ausgezählt. Vergleichsversuche mit der klassischen Auswaschmethode zeigten eine sehr gute Übereinstimmung, und die eingepuderten Bienen überlebten die Prozedur nahezu vollständig. Auch die Bayerische Landesanstalt nennt die Puderzuckermethode als Alternative zur Gemülldiagnose für die Befallsermittlung.
Damit die Messung stimmt, muss der Puderzucker absolut trocken und klumpenfrei sein und das Wetter ebenfalls trocken. Feuchter Zucker verklumpt, dann fallen nicht alle Milben ab und das Ergebnis fällt zu niedrig aus. Für etwa sieben Völker reichen rund 250 Gramm Puderzucker. Rückstände sind kein Thema, Puderzucker ist im Bienenvolk unproblematisch.
Als alleinige Bekämpfungsmaßnahme ist das Bestäuben von Völkern mit Puderzucker nicht geeignet. Es erreicht nur die frei auf den Bienen sitzenden Milben, nicht die in der verdeckelten Brut, wo im Sommer der weit überwiegende Teil der Milbenpopulation sitzt. Die Bekämpfungskonzepte der Bieneninstitute führen Puderzucker konsequenterweise nicht als Behandlungsverfahren, sondern als Diagnosewerkzeug. Wer den Befall drücken will, kombiniert biotechnische Maßnahmen wie Drohnenbrutentnahme, Ablegerbildung, Brutentnahme oder das Verfahren Teilen und Behandeln mit einer Behandlung durch zugelassene Präparate.
Der eigentliche Nutzen des Verfahrens liegt genau darin, dass es Behandlungen überhaupt erst steuerbar macht. Wer den Befallsgrad kennt, kann unnötige Behandlungen vermeiden und im Ernstfall rechtzeitig eingreifen. Eine Schutzausrüstung ist nicht erforderlich, übliche Imkerschutzkleidung genügt.
Quellen (3)
- Brunnemann-Stubbe, G.: Bienenprobe mit Puderzucker, ADIZ/db/IF 8/2011 (Bieneninstitut Kirchhain), bereitgestellt von der Landesanstalt für Bienenkunde Hohenheim
- LWG Veitshöchheim: Bayerisches Varroabehandlungskonzept, Medikamentöse Standardverfahren
- LAVES Institut für Bienenkunde Celle: Leitfaden Varroa-Bekämpfung in Öko-Imkereien