Gemüll
Lexikon
Als Gemüll bezeichnet man alles, was im Volk anfällt und auf den Beutenboden rieselt: Wachsteilchen von aufgenagten Zelldeckeln, Pollenreste, Futterkristalle, Beinchen und Flügel toter Bienen und eben auch abgefallene Varroamilben.
Als Gemüll bezeichnet man alles, was im Volk anfällt und auf den Beutenboden rieselt: Wachsteilchen von aufgenagten Zelldeckeln, Pollenreste, Futterkristalle, Beinchen und Flügel toter Bienen und eben auch abgefallene Varroamilben. Wer den Bodenschieber regelmäßig anschaut, bekommt ohne einen einzigen Eingriff ins Volk Hinweise darauf, was drinnen los ist. Die Breite der Gemüllstreifen zeigt, wie viele Wabengassen besetzt sind, und frische Wachsdeckelchen verraten, dass Brut schlüpft.
Die wichtigste Anwendung ist die Gemülldiagnose zur Kontrolle des Varroabefalls. Dafür wird eine Bodeneinlage unter den Gitterboden geschoben, für die Bienen unzugänglich, sonst tragen sie die Milben wieder aus. Auch Ameisen sind ein Problem, weshalb die Institute empfehlen, das Papier mit Öl zu tränken. Nach einigen Tagen bis zu mehreren Wochen werden die abgefallenen Milben gezählt und durch die Zahl der Beobachtungstage geteilt. Das Ergebnis ist der natürliche Milbenfall pro Tag.
Zur Einordnung nennen die Bieneninstitute Richtwerte: Fallen bereits im Juli mehr als fünf bis zehn Milben pro Tag, muss zügig gehandelt werden, damit gesunde Winterbienen aufgezogen werden können. Nach dem Ende der Bruttätigkeit im Spätherbst sollte der tägliche Milbenfall unter einer halben Milbe liegen, andernfalls ist eine Winterbehandlung angezeigt. Ebenso wichtig ist die Kontrolle nach einer Behandlung, denn jeder Wirkstoff hat eine Nachwirkzeit, in der noch verstärkt Milben fallen. Erst danach zeigt der natürliche Milbenfall, ob die Behandlung wirklich gewirkt hat.
Zwei Missverständnisse sind verbreitet. Erstens ist die Gemülldiagnose eine Schätzung und kein exakter Messwert: Der ermittelte Wert steht in keinem direkten Verhältnis zur Volksstärke, und ein starkes und ein schwaches Volk mit gleichem Milbenfall sind unterschiedlich stark belastet. Zweitens ersetzt eine einzelne Zählung nichts. Erst die wiederholte Kontrolle über die Saison hinweg zeigt, wohin sich der Befall entwickelt. Alternativ oder ergänzend arbeiten viele Imker mit Bienenproben, etwa der Puderzucker- oder der Auswaschmethode.
Quellen (4)
- Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung: Varroa unter Kontrolle, Abschnitt Befallskontrolle mittels Bodeneinlagen (PDF)
- LWG Veitshöchheim: Schadschwellen-orientiertes Varroamanagement (PDF)
- LAVES Institut für Bienenkunde Celle: Leitfaden zur Varroa-Bekämpfung, Abschnitt Gemülldiagnose (PDF)
- LWG Veitshöchheim, Fachzentrum Bienen: Varroa-Sommerbehandlung (PDF)