Marcel Gläser | 3. August 2026
Amerikanische Faulbrut erkennen und richtig handeln
Die Amerikanische Faulbrut ist eine der gefürchtetsten Bienenseuchen – und anzeigepflichtig. Wir zeigen, wie du sie frühzeitig erkennst, warum schon der Verdacht gemeldet werden muss und wie die Sanierung eines befallenen Volkes abläuft.
Die Amerikanische Faulbrut (AFB) gehört zu den gefährlichsten Bienenkrankheiten überhaupt – sie kann ganze Völker und Stände vernichten. Verursacher ist das Bakterium Paenibacillus larvae, das die Bienenlarven befällt. Das eigentliche Problem sind seine extrem widerstandsfähigen Sporen: Sie überleben jahrzehntelang in alten Waben, in Honig und an Gerätschaften. Umso wichtiger ist es, die Seuche früh zu erkennen und richtig zu reagieren. Wichtig vorweg: Für den Menschen und den Honigverzehr ist die AFB ungefährlich.
So erkennst du die Amerikanische Faulbrut
Die AFB zeigt sich im verdeckelten Brutnest. Typische Warnzeichen sind eingefallene, löchrige und dunkle Zelldeckel – das Brutbild wirkt unregelmäßig und lückig. Öffnest du eine betroffene Zelle, findest du statt einer gesunden Larve eine milchkaffeefarbene, schleimige Masse. Der klassische Test ist die Streichholzprobe: Rührst du mit einem Streichholz in der Zelle und ziehst es langsam heraus, lässt sich die Masse zu einem Faden von mehreren Zentimetern ausziehen – ein sehr deutlicher Hinweis auf AFB.
Sicherheit bringt nur eine Laboruntersuchung. Bei Verdacht sendest du eine Futterkranzprobe an ein geeignetes Labor, das die Sporen nachweist. Viele Imkervereine und Bieneninstitute organisieren solche Untersuchungen regelmäßig als Vorsorge.
Anzeigepflicht: schon der Verdacht zählt
Die Amerikanische Faulbrut ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Das bedeutet: Bereits beim Verdacht musst du das zuständige Veterinäramt informieren – nicht erst bei bestätigter Diagnose. Das ist keine Schikane, sondern der wirksamste Schutz für alle Imker in der Umgebung, denn nur so lässt sich eine Ausbreitung stoppen.
Sperrbezirk und Sanierung
Bestätigt das Labor die Faulbrut, richtet die Behörde in der Regel einen Sperrbezirk mit meist etwa drei Kilometern Radius ein. Innerhalb dieses Bezirks dürfen keine Völker, kein Wachs und keine Gerätschaften bewegt oder herausgebracht werden. Alle Stände im Sperrbezirk werden untersucht.
Getötet werden Völker heute nur noch, wenn sie nicht mehr sanierungsfähig sind. Die Methode der Wahl ist das Kunstschwarmverfahren: Dabei fegst du alle Bienen von den Waben in eine leere Beute, die alten Waben werden sofort eingeschmolzen. Es folgt eine kurze Hungerphase von zwei bis drei Tagen, in der die Bienen ihren mit Sporen belasteten Futtervorrat verbrauchen. Anschließend kommt der Kunstschwarm in eine desinfizierte Beute mit frischen Mittelwänden. So bleiben die Bienen erhalten, während die Sporenquelle beseitigt wird. Die Sanierung erfolgt immer in Absprache mit dem Veterinäramt bzw. dem Bienensachverständigen.
Vorbeugen ist besser als sanieren
Der beste Schutz ist konsequente Hygiene: Verwende regelmäßig frische Mittelwände, erneuere altes Wabenwerk, kaufe Bienen und Gerätschaften nur aus vertrauenswürdiger Quelle und verfüttere niemals fremden Honig. Eine regelmäßige Futterkranzprobe im Verein gibt zusätzliche Sicherheit. Wer die Brutwaben bei jeder Durchsicht aufmerksam anschaut, erkennt Auffälligkeiten früh – und je früher, desto besser stehen die Chancen für die Völker in der Umgebung.
Quelle
Leitlinie zur Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut in Deutschland; Informationen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) sowie der Veterinärämter.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich die Amerikanische Faulbrut?
An eingefallenen, löchrigen Zelldeckeln und einer milchkaffeefarbenen, schleimigen Masse in den Zellen. Bei der Streichholzprobe lässt sie sich zu einem Faden ausziehen. Sicherheit bringt nur eine Futterkranzprobe im Labor.
Muss ich die Faulbrut melden?
Ja. Die AFB ist anzeigepflichtig – schon beim Verdacht musst du das zuständige Veterinäramt informieren, nicht erst bei bestätigter Diagnose.
Muss ein befallenes Volk getötet werden?
Nicht zwingend. Sanierungsfähige Völker werden meist per Kunstschwarmverfahren gerettet: Bienen abfegen, alte Waben einschmelzen, kurze Hungerphase, dann in eine desinfizierte Beute mit frischen Mittelwänden – immer in Absprache mit dem Veterinäramt.