Tracht
Lexikon
Tracht ist der Sammelbegriff für das, was die Bienen in ihrer Umgebung an Nektar, Pollen und Honigtau vorfinden.
Tracht ist der Sammelbegriff für das, was die Bienen in ihrer Umgebung an Nektar, Pollen und Honigtau vorfinden. Von Massentracht spricht man bei besonders ergiebigen Quellen, etwa großen Raps- oder Sonnenblumenschlägen, größeren Robinien- oder Lindenbeständen, Löwenzahnwiesen und Brombeerflächen. Der Nektar einer Massentracht prägt meist das Aroma des Honigs, während Nebentrachten die feinen Nuancen beisteuern.
Im Jahresverlauf liefern im Frühjahr vor allem Obstblüte, Löwenzahn und Raps, die häufig gleichzeitig blühen. Im Sommer kommen Bestände wie Robinie und Linde sowie blütenreiche Flächen hinzu. Wichtig für die Erwartungshaltung: Auch wer gezielt an eine Tracht wandert, hat es nicht in der Hand, was tatsächlich beflogen wird. Die Bienen entscheiden, welche der angebotenen Trachten sie in welchem Anteil nutzen, deshalb ist ein reiner Sortenhonig nie planbar.
Die Waldtracht ist ein Sonderfall, denn sie beruht nicht auf Blüten. Grundlage ist Honigtau, den pflanzensaugende Insekten ausscheiden, hierzulande vor allem Blatt- und Schildläuse. Sie nehmen zuckerreichen, aber aminosäurearmen Pflanzensaft auf und müssen davon so viel aufnehmen, dass sie den Zuckerüberschuss als feine Tröpfchen auf Nadeln und Blättern abgeben. Die Bienen sammeln diese Tröpfchen und verarbeiten sie wie Nektar. Weil Waldtracht damit an der Entwicklung dieser Insekten hängt und nicht an einem Blühkalender, ist sie deutlich weniger vorhersehbar als eine Blütentracht.
Für die Praxis folgen daraus zwei Dinge. In trachtarmen Zeiten und nach den Ernten steigt die Gefahr von Räuberei, hier ist Zurückhaltung beim Hantieren am Stand angebracht. Und beim Auffüttern im Herbst gilt: Eigener Blütenhonig, Zuckersirup, Futterteig oder Zuckerwasser sind geeignet, dunkle Honige sowie Wald- und Melezitosehonige nicht, weil ihre hohen Mineralstoffgehalte die Bienen belasten. Fremde Honige sind wegen der Gefahr, die Amerikanische Faulbrut einzuschleppen, besonders gefährlich.