Thymol
Behandlungsmittel
Thymol ist eine phenolische Substanz, die natürlicherweise im ätherischen Öl von Thymian und einigen anderen Blütenpflanzen vorkommt.
Thymol ist eine phenolische Substanz, die natürlicherweise im ätherischen Öl von Thymian und einigen anderen Blütenpflanzen vorkommt. In der Imkerei wird sie in Trägern wie Gel, Plättchen oder Streifen ins Volk gegeben, aus denen der Wirkstoff langsam in die Stockluft sublimiert. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht vollständig aufgeklärt. Man geht davon aus, dass Thymol die geruchliche Orientierung der Milben stört und ab einer gewissen Konzentration in der Stockluft über Eiweißdenaturierung direkt tödlich wirkt.
Thymol erreicht nur die Milben, die frei auf den Bienen sitzen, nicht die in der verdeckelten Brut. Ein Effekt auf die Brutmilben entsteht lediglich indirekt, indem über die lange Anwendungsdauer nach und nach die Milben abgetötet werden, die mit den schlüpfenden Bienen die Zelle verlassen. Die Wirkung setzt verzögert ein und erreicht ihr Maximum erst zwei bis drei Wochen nach Behandlungsbeginn. Für die schnelle Entmilbung stark befallener Völker ist Thymol daher ungeeignet.
Die Wirksamkeit hängt stark von der Außentemperatur ab. Optimal sind etwa 20 bis 25 Grad. Unter 15 Grad sublimiert zu wenig Wirkstoff, die Behandlung wird unzureichend. Bei Tagesmaximaltemperaturen über 30 Grad steigen Stress und Sterblichkeit von Bienen und Brut deutlich an. Die Bieneninstitute nennen weitere Einschränkungen: Der Behandlungsbeginn sollte spätestens Mitte Juli liegen, die Völker müssen abgeräumt sein und eine erste Futtergabe erhalten haben, und während der mehrwöchigen Behandlung ist ein Auffüttern kaum möglich. Bei Räubereigefahr sollte auf Thymol verzichtet werden.
Zu den typischen Problemen zählen ein zu später Behandlungsbeginn, das Weiterfüttern während der Behandlung, ein Verbau der Träger mit Propolis und der Einsatz in Waldtrachtgebieten, wo die Institute Thymol ausdrücklich nicht empfehlen. Weil der anhaltende Thymolgeruch die Bienen belästigt, kann Brut in der Nähe der Träger ausgeräumt werden. Der natürliche Milbenfall ist während einer Thymolbehandlung nicht mehr aussagekräftig, der Befall lässt sich dann nur über Bienenproben bestimmen. Eine anschließende Winterbehandlung mit Oxalsäure im brutfreien Zustand ist in jedem Fall erforderlich.
Thymolhaltige Präparate sind als Tierarzneimittel zugelassen und freiverkäuflich. Die Wartezeit für Honig beträgt null Tage, sofern sie nicht vor oder während der Tracht eingesetzt werden. Wichtig ist der Rückstandsaspekt: Thymol ist fettlöslich und reichert sich im Wachs an, aus dem es in linearer Abhängigkeit in den Honig übergeht. Aus Waben, die während der Behandlung im Volk waren, darf deshalb kein Honig gewonnen werden. Beim Umgang ist direkter Haut- und Augenkontakt zu vermeiden, Thymol kann Kontaktekzeme auslösen.
Quellen (4)
- Emmerich, I.: Zugelassene Arzneimittel für Honigbienen in Deutschland, Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 2018
- Landesanstalt für Bienenkunde Hohenheim: Hinweise zur Anwendung von Thymolpräparaten
- LLH Bieneninstitut Kirchhain: Infoblatt Varroazide
- LWG Veitshöchheim: Bayerisches Varroabehandlungskonzept, Medikamentöse Standardverfahren