Oxalsäure
Lexikon
Oxalsäure ist ein zugelassener Wirkstoff gegen die Varroamilbe und der übliche Wirkstoff für die Winterbehandlung, die sogenannte Restentmilbung.
Oxalsäure ist ein zugelassener Wirkstoff gegen die Varroamilbe und der übliche Wirkstoff für die Winterbehandlung, die sogenannte Restentmilbung. Anders als Ameisensäure dringt Oxalsäure nicht in die verdeckelte Brut ein. Sie erfasst ausschließlich die Milben, die auf den Bienen sitzen. Daraus folgt die wichtigste Regel überhaupt: Geträufelt, gesprüht oder verdampft wird Oxalsäure nur im brutfreien Volk; nur wenige Präparate, etwa Streifen zum Einhängen oder die Kombination mit Ameisensäure, sind auch für Völker mit wenig Brut zugelassen. In einem Volk mit Brut bleibt der größte Teil der Milben unter den Zelldeckeln geschützt, und die Behandlung verpufft weitgehend.
Es gibt drei Anwendungswege: Träufeln in die besetzten Wabengassen, Sprühen auf die Bienen und Verdampfen, auch Sublimation genannt. Die verbreitete Aussage, das Verdampfen sei in Deutschland verboten, ist überholt. Seit September 2023 ist mit einem Oxalsäure-Präparat erstmals ein Tierarzneimittel zugelassen, das ausdrücklich auch zum Verdampfen angewendet werden darf, allerdings nur im brutfreien Volk; als geeignete Verdampfer nennt die Fachinformation beispielhaft die Typen Varrox und Varrox Eddy. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit weist darauf hin, dass die Wirksamkeit stark von der Technik des Verdampfers abhängt, weil Oxalsäure bei zu hoher Temperatur zerfällt statt zu sublimieren.
Beim Verdampfen entstehen Dämpfe, die für den Menschen gefährlich sind. Die Zulassungsunterlagen fordern deshalb langärmelige Kleidung, säurefeste Handschuhe, Schutzbrille und eine Atemschutzmaske sowie Rücksicht auf die Windrichtung. Wer selbst Lösungen anmischt, bewegt sich außerhalb des zugelassenen Rahmens, und für andere Verdampfer als die genannten liegen dem Bundesamt keine Daten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit vor.
Eine Winterbehandlung ist kein Pflichtprogramm, sondern eine Entscheidung nach Befall. Je nach Institut gilt als Richtwert ein natürlicher Milbenfall im Spätherbst von mehr als einer halben oder mehr als einer Milbe pro Tag, ab dem eine Restentmilbung angeraten ist. Überflüssige oder mehrfach wiederholte Anwendungen zu diesem späten Zeitpunkt schaden den Bienen mehr, als sie nützen. Zur Wartezeit unterscheiden sich die Präparate: Bei den Oxalsäuredihydrat-Lösungen nach früherer Standardzulassung darf Honig erst im darauffolgenden Frühjahr gewonnen werden, neuere Präparate nennen null Tage und schließen die Anwendung während der Tracht oder mit aufgesetztem Honigraum aus. Jede Anwendung eines Tierarzneimittels ist zu dokumentieren.
Quellen (4)
- LAVES Niedersachsen: Was man über Varroxal 0,71 g/g Bienenstock-Pulver wissen sollte
- BVL: Hinweise zur Anwendung des Tierarzneimittels Varroxal
- LAVES Institut für Bienenkunde Celle: Leitfaden zur Varroa-Bekämpfung (PDF)
- Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung: Varroa unter Kontrolle (Broschüre, PDF)