Oxalsäure im Träufelverfahren
Behandlungsmittel
Beim Träufelverfahren wird eine Oxalsäurelösung, der unmittelbar vor der Anwendung Zucker zugesetzt wird, mit einer Spritze oder Dosierflasche gleichmäßig auf die Bienen in den besetzten Wabengassen gegeben.
Beim Träufelverfahren wird eine Oxalsäurelösung, der unmittelbar vor der Anwendung Zucker zugesetzt wird, mit einer Spritze oder Dosierflasche gleichmäßig auf die Bienen in den besetzten Wabengassen gegeben. Der Zuckerzusatz erhöht die Viskosität, die Lösung haftet dadurch besser an den Bienen, und die Milben sind der Säure länger ausgesetzt. Das ist der Hauptgrund für die gute Wirksamkeit dieses Verfahrens.
Oxalsäure ist ein Kontaktakarizid und erreicht nur die Milben, die frei auf den Bienen sitzen. Anders als Ameisensäure dringt sie nicht durch die Zelldeckel. Deshalb darf getröpfelt werden, wenn das Volk wirklich brutfrei ist. Der klassische Termin ist die Restentmilbung im Spätherbst oder Winter, in der Praxis etwa drei Wochen nach der ersten Frostperiode, meist zwischen Mitte November und Ende Dezember. Auf Milben außerhalb der Brut werden Wirkungsgrade über 90 Prozent erreicht.
Für die Durchführung wird die Oxalsäurelösung im Wasserbad auf etwa 30 bis 35 Grad angewärmt, der Zucker eingerührt und die fertige Lösung handwarm ausgebracht. Je nach Volksstärke sind das 30 Milliliter bei schwachen, 40 Milliliter bei mittleren und 50 Milliliter bei starken Völkern, also rund 5 bis 6 Milliliter je besetzter Wabengasse. Die Außentemperatur sollte mindestens 3 Grad betragen, ideal sind Werte unter 5 Grad bis maximal etwa 10 Grad, damit die Bienen eng in der Wintertraube sitzen und nicht auffliegen. Sitzt das Volk über zwei Zargen, wird angekippt und in beiden Räumen behandelt.
Die häufigsten Fehler sind gravierend: eine Behandlung trotz Restbrut, eine nur stichprobenartige Kontrolle auf Brutfreiheit, zu hohe Dosierung und vor allem eine Wiederholung der Behandlung. Mehrfachanwendungen oder höhere Konzentrationen führen zu deutlich schlechterer Auswinterung und können Völker kosten. Auch Waben und Rähmchen sollten nicht unnötig benetzt werden. Die angesetzte zuckerhaltige Lösung ist nur zum sofortigen Gebrauch bestimmt, weil sich mit der Zeit das für Bienen und Larven giftige Hydroxymethylfurfural bildet. Der Milbenfall nach dem Träufeln hält mehrere Wochen an, eine Erfolgskontrolle braucht also Geduld.
Oxalsäurehaltige Präparate sind als Tierarzneimittel zugelassen und mittlerweile von der Apothekenpflicht befreit. Bei den Präparaten nach Standardzulassung lautet die Wartezeit, dass Honig erst im darauffolgenden Frühjahr gewonnen werden darf, die Spätherbstbehandlung sollte also bis zum 31. Dezember abgeschlossen sein. Oxalsäure ist gesundheitsgefährdend und stark ätzend, säurefeste Handschuhe und Schutzbrille sind Pflicht, Schwangere sollen keinen Kontakt haben.
Quellen (4)
- BfArM: Wortlaut der Standardzulassungen für Bienentherapeutika (Monographie Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5 % ad us. vet.)
- LWG Veitshöchheim, Institut für Bienenkunde und Imkerei: Träufelbehandlung mit Oxalsäure
- LLH Bieneninstitut Kirchhain: Infoblatt Varroazide
- Varroose-Bekämpfungskonzept Baden-Württemberg, Landesanstalt für Bienenkunde Hohenheim, Stand 11/2024