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Liebefelder Schätzmethode

Lexikon

Die Liebefelder Schätzmethode ist ein standardisiertes Verfahren, um die Stärke eines Bienenvolkes deutlich genauer zu erfassen als über das bloße Zählen besetzter Wabengassen.

Die Liebefelder Schätzmethode ist ein standardisiertes Verfahren, um die Stärke eines Bienenvolkes deutlich genauer zu erfassen als über das bloße Zählen besetzter Wabengassen. Sie geht auf Arbeiten des Forschers Jeffree aus den 1950er Jahren zurück und wurde Anfang der 1970er Jahre von Hans Wille und Luzio Gerig am Schweizerischen Zentrum für Bienenforschung in Liebefeld bei Bern weiterentwickelt, der heutigen Bienenforschungsgruppe von Agroscope. Dort dient sie bis heute der wissenschaftlichen Beobachtung der Volksentwicklung über die Saison.

Bei der Anwendung wird jede Wabenseite einzeln beurteilt. Für die Bienen schätzt man, welchen Anteil der Fläche die tatsächlich vorhandenen Bienen gedanklich zusammengeschoben einnehmen würden, gestaffelt in Vierteln bis zur vollen Wabenseite. Für Brut und Futter dient ein Rahmen, der mit Schnüren in Quadratdezimeter unterteilt ist, ersatzweise auch ein Rollmeter, um offene Brut, verdeckelte Brut und Futtervorrat flächig zu erfassen. Aus diesen Flächen werden anschließend über feste Umrechnungsfaktoren die Anzahl Bienen sowie die Zahl der Brutzellen berechnet.

Grundlage der Umrechnung ist, dass eine vollständig besetzte Wabenseite je nach Rähmchenmaß unterschiedlich viele Bienen trägt: für das Schweizermaß rund 1.200, für Dadant rund 1.400, für Zander rund 1.000, für Langstroth rund 1.100 und für Deutsch Normalmaß rund 900 Bienen. Auf einem Quadratdezimeter dicht besetzter Wabenfläche werden im Schnitt rund 130 Bienen sowie rund 400 Brutzellen angenommen.

In der Praxis wird die Liebefelder Methode vor allem dort eingesetzt, wo eine genaue, über längere Zeit vergleichbare Verlaufskontrolle wichtiger ist als eine schnelle Einschätzung, etwa in der Bienenforschung oder bei der Beobachtung der Volksentwicklung im Jahresverlauf. Eine Überprüfung an zwei Völkern über eine ganze Saison zeigte eine sehr gute Übereinstimmung der Schätzwerte mit tatsächlichen Wiege und Planimetriemessungen, während sich offene Brut wegen der schlechter sichtbaren Flächen etwas schwerer exakt schätzen lässt als die deutlich sichtbare verdeckelte Brut.

Quellen (3)

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