Amitraz
Behandlungsmittel
Amitraz gehört zur Stoffgruppe der Triazapentadiene und stammt wie viele Antiparasitika aus dem Pflanzenschutz.
Amitraz gehört zur Stoffgruppe der Triazapentadiene und stammt wie viele Antiparasitika aus dem Pflanzenschutz. Es wirkt als Nervengift: Über agonistische Effekte an den Oktopaminrezeptoren im Zentralnervensystem der Milbe löst es Übererregung, abnormes Verhalten und Lähmung aus, die Milbe löst sich vom Wirt und stirbt. In der Imkerei wird der Wirkstoff über imprägnierte Streifen eingebracht, die in die Wabengassen gehängt werden. Die Bienen belaufen die Streifen und verteilen den Wirkstoff im Volk.
Amitraz erreicht ausschließlich die Milben, die frei auf den Bienen sitzen, es dringt nicht in verdeckelte Brutzellen ein. Ein Effekt auf die Brutmilben ergibt sich nur indirekt über die lange Anwendungsdauer von sechs bis zehn Wochen, in der laufend die mit den schlüpfenden Bienen freiwerdenden Milben abgetötet werden. Für eine schnelle Notbehandlung ist der Wirkstoff daher nicht geeignet, die Wirkung baut sich langsam auf.
Als Behandlungszeitpunkt wird der Spätsommer beziehungsweise Herbst nach der letzten Honigernte empfohlen, wenn im Vergleich zum Jahreshöchststand nur noch wenig Brut vorhanden ist. Die Bienen müssen aber noch aktiv genug sein, um die Streifen zu belaufen, sonst wird der Wirkstoff nicht verteilt. Die übliche Dosierung liegt bei 1 Gramm Amitraz je Volk, entsprechend zwei Streifen zu je 500 Milligramm.
Zwei Punkte sind kritisch. Erstens die Rückstände: Amitraz ist fettlöslich und führt zu Rückständen in Wachs und Honig, besonders bei höherer Dosierung und wiederholter Anwendung in aufeinanderfolgenden Jahren. Die Verordnung (EU) Nr. 37/2010 legt dafür eine Rückstandshöchstmenge von 200 Mikrogramm je Kilogramm Honig fest; einen Höchstwert für Honig gibt es dort sonst nur für Coumaphos (100 Mikrogramm je Kilogramm), für die übrigen Varroa-Wirkstoffe ist keiner erforderlich. Zweitens die Resistenz: Resistenzen der Varroamilbe gegenüber Amitraz sind beschrieben, auch aus Deutschland wurde über unzureichende Wirksamkeit berichtet. Bei bekannter Resistenz darf Apivar nicht angewendet werden, und bei Verdacht auf Resistenz empfehlen die Fachinformationen, die Behandlung auf einen Empfindlichkeitstest zu stützen.
Amitrazhaltige Präparate sind in Deutschland verschreibungspflichtig und nur auf tierärztliche Verschreibung erhältlich. Die Bieneninstitute empfehlen synthetische Varroazide nur als Notfalloption, in Bio-Betrieben ziehen sie eine erneute Umstellungszeit von zwölf Monaten mit Wachsaustausch nach sich. Die Wartezeit für Honig beträgt null Tage bei bestimmungsgemäßer Anwendung außerhalb der Tracht. Häufige Fehler sind das Belassen der Streifen über die zugelassene Dauer hinaus, das jahrelange Verwenden desselben Wirkstoffs und das Wiederverwenden von Brutwaben als Honigwaben. Beim Umgang mit den Streifen sind Schutzhandschuhe zu tragen, da Amitraz beim Menschen neurologische Reaktionen, Hautempfindlichkeit und Augenreizungen auslösen kann. Reste und gebrauchte Streifen gehören in den Sondermüll.
Quellen (4)
- Emmerich, I.: Zugelassene Arzneimittel für Honigbienen in Deutschland, Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 2018
- LLH Bieneninstitut Kirchhain: Infoblatt Varroazide
- bienen&natur: Amitraz, die chemische Behandlung
- Hernández-Rodríguez, C. S. et al.: Large-Scale Monitoring of Resistance to Coumaphos, Amitraz and Pyrethroids in Varroa destructor, Insects 12(1):27, 2021