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Ameisensäure 60 %

Behandlungsmittel

Ameisensäure in 60-prozentiger Zubereitung ist das klassische Mittel für die Sommerbehandlung der Wirtschaftsvölker.

Ameisensäure in 60-prozentiger Zubereitung ist das klassische Mittel für die Sommerbehandlung der Wirtschaftsvölker. Sie wird nicht auf die Bienen aufgebracht, sondern im Volk verdunstet. Die Dämpfe wirken direkt ätzend auf die Milbe und stören zusätzlich deren Atmungskette, was zu einer Übersäuerung des Milbengewebes führt. Bienen können die Säure schneller abpuffern und abbauen als die Milben, darauf beruht die selektive Wirkung.

Ameisensäure nimmt unter allen in Deutschland zugelassenen Wirkstoffen eine Sonderstellung ein: Sie diffundiert als einziger durch den Zelldeckel in die verdeckelte Brut und tötet dort vor allem die Nymphenstadien der Milben ab. Genau deshalb eignet sie sich für den Spätsommer, wenn die Völker noch brüten und der überwiegende Teil der Milbenpopulation in den Brutzellen sitzt. Ausgebracht wird sie über Verdunster wie den Liebig-Dispenser oder den Nassenheider Verdunster professional. Das Schwammtuch gilt inzwischen nur noch als Notlösung für längere feuchtkalte Wetterphasen, weil die Säure daraus stoßweise freigesetzt wird.

Die Verdunstungsrate hängt stark von Außentemperatur und Luftfeuchte ab, und mit ihr der Behandlungserfolg. Als Orientierung nennen die Bieneninstitute Außentemperaturen von etwa 12 bis 25 Grad Celsius, das Bekämpfungskonzept Baden-Württemberg gibt je nach Verdunstersystem 20 bis 30 Grad als günstig an. Bei Tagestemperaturen über 25 Grad sollte abends behandelt werden. Bei Gewitter, Regen oder hoher Luftfeuchte bleibt die Behandlung weitgehend wirkungslos. Die Standardzulassung nennt für ein- und zweizargige Völker 15 bis 20 Gramm je Zarge und Tag nach dem Abschleudern und 6 bis 10 Gramm je Zarge und Tag vor der Brutpause, bezogen auf ein Zargenvolumen von rund 40 Litern. Bei abweichendem Beutenvolumen ist die Menge anzupassen.

Typische Fehler sind eine Behandlung ohne vorherige Befallsermittlung, zu schnelle Verdunstung an heißen Tagen und ein zu kleines oder zu schwaches Volk. Bei zu rascher Freisetzung drohen Unruhe, Brutschäden und Königinnenverluste durch das sogenannte Einknäueln. Ableger sollten erst bei ausreichender Volksstärke behandelt werden. Nach der Behandlung empfiehlt sich eine erneute Gemülldiagnose, und etwa zwölf Tage später, wenn die verdeckelte Brut ausgelaufen ist, eine weitere Kontrolle.

Rechtlich gilt: Ameisensäure 60 % ad us. vet. ist als Tierarzneimittel für Bienen zugelassen und apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig. Die Anwendung ist erst nach der letzten Honigernte des Jahres zulässig, während der Tracht ist sie eine Gegenanzeige. Weil Ameisensäure wasserlöslich ist, reichert sie sich nicht im Wachs an, bei falschem Zeitpunkt schlägt sie sich aber im Honig nieder und verändert dessen Geschmack. Beim Umgang sind säurefeste Handschuhe und eine Schutzbrille zwingend, Dämpfe dürfen nicht eingeatmet werden, und es sollte immer ausreichend Wasser zum Abspülen bereitstehen.

Quellen (4)

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